Gemeinde untersagt alle Veranstaltungen im Kirchborchener Heimatmuseum
Von Bernhard Liedmann
Kirchborchen (WV). Schluss mit lustig gilt jetzt auch für das Kirchborchener Heimatmuseum. Mit Ausnahme von Führungen durch das Museum sind alle anderen Veranstaltungen verboten. So auch das Schlachtefest, das jetzt im März dort wieder stattfinden sollte. Die Gemeinde Borchen hat alle Veranstaltungen aus brandschutz- und versicherungstechnischen Gründen untersagt.
Nicht nur die Caritas Kirchborchen, der Landmaschinenverein oder die Kameradschaft ehemaliger Soldaten müssen sich jetzt eine neue Heimat suchen.
Was acht Jahre ohne Probleme lief, ist jetzt auf einmal illegal. Die Gemeinde hatte im Dezember 2003 die Scheune auf dem Hof Fromme für den Betrieb eines Heimatmuseums angemietet, nachdem eine Unterbringung der historischen Sammlung im Unterhaus des Mallinckrodthofes gescheitert war. Auf 200 Quadratmetern werden in den Räumen etwa 500 Ausstellungsstücke präsentiert.
Mit Zusage des damaligen Bürgermeisters Heinrich Schwarzenberg konnten dort aber auch kleinere Sitzungen stattfinden. So tagen in einem Nebenraum die Vorstände der Schützen, der Kameradschaft ehemaliger Soldaten oder auch des Landmaschinenvereins. Einmal im Jahr bot die Caritas ein Seniorencafé in der großen historischen Scheune an, und beim Aufstellen des Maibaums auf dem Platz vor dem Museum ist die Scheune ebenfalls zur Feier genutzt worden.
Auch mit der Patenschaftskompanie aus Augustdorf hatte die Kirchborchener Kameradschaft ehemaliger Soldaten mit ihren 60 Mitgliedern in dem Gebäude kleine Grillabende veranstaltet.
Damit ist es jetzt vorbei. Auch mit der Wiederbelebung alter Traditionen wie dem Schlachtefest in der Scheune, bei dem vor einem Jahr unter den Augen von Bürgermeister Reiner Allerdissen der Heimatverein Kirchborchen den Ofen anwarf und ein halbes Schwein verwurstete. Das für März geplante zweite Schlachtefest fällt nach der jüngsten Anweisung der Gemeinde Borchen ebenfalls ins Wasser.
Die Gemeinde Borchen untersagt grundsätzlich diese Form der Nutzungen als Versammlungsstätte. Die Räume seien ausschließlich für Heimatmuseumszwecke und zur Unterbringung von ortstypischen Gegenständen angemietet. Neben der Miete erstatte die Gemeinde auch noch die Stromkosten, so die Verwaltung in ihrer Anweisung. Hier habe sich der durchschnittliche Verbrauch gegenüber den ersten Nutzungsjahren auch vermehrfacht, ist eine Kritik der Verwaltung. Zudem enthalte das Museum auch Gegenstände, die gegen Diebstahl versichert seien. Dieser Versicherungsschutz sei gefährdet, außerdem seien bedingt durch die Holzbauweise in den Räumen oder steile Treppen die Brand- und Unfallrisiken zu hoch.
Nicht nur bei Kirchborchens Ortsvorsteher und Hofbesitzer Hans-Josef Fromme und dem Landmaschinenclub mit seinen 36 Mitgliedern gibt es jetzt lange Gesichter. Fromme hatte seinerzeit die Räumlichkeiten für immerhin 5000 Euro ausgebaut und der Landmaschinen-Club für etwa 3000 Euro die Heizung eingebaut, damit hier die Ortsgeschichte aller Borchener Ortsteile und das alte Handwerk nebst Landwirtschaft als Schwerpunkte der Sammlung gezeigt werden können. Dazu gehört auch die komplette Werkstatt eines Schusters und eines Schmieds.
Artikel im Westfalen-Blatt vom 26.01.2012
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